Oliver Krautscheid: ESMA-Entwurf technischer Durchführungsstandards

Der EU- Kommission liegt ein ESMA- Entwurf technischer Durchführungsstandards zur Zustimmung vor. Die ESMA schlägt vor, dass das Datum des Meldebeginns für börsengehandelte Derivate bis zum 1.1.2015 verschoben wird, um Leitlinien und Empfehlungen zur Sicherstellung einer gemeinsamen und einheitlichen Anwendung von Art. 9 der Verordnung der EU (Nr.648/2012 zu entwickeln.

Die im Vorschlag des ESMA vorgebrachten Bedenken rechtfertigen jedoch keinen Aufschub bezüglich der Meldung von börsengehandelten Derivaten an das Transaktionsregister. Die Meldepflichten im Rahmen von EMIR unterscheiden sich von denen im Rahmen von MiFID. Diese Unterschiede sind durch unterschiedliche Adressaten und den Zweck der Meldepflichten gerechtfertigt und entstehen der ordnungsgemäßen Anwendung beider Meldepflichten nicht entgegen. Diese Unterschiede wurden bereits im Entwurf technischer Regulierungsstandards in Bezug auf die Meldung im Rahmen von EMIR berücksichtigt.

Eine Aufschiebung der Meldepflichten um ein Jahr würde darüber hinaus die Erreichung der Hauptziele von EMIR behindern. EMIR hat die Identifizierung, Überwachung, Bewertung und Minderung des systematischen Risikos aus Derivaten- Geschäften zum Ziel.

Die EU Kommission wird daher voraussichtlich ihre Zustimmung zum Vorschlag der ESMA verweigern. Denn der vorgeschlagene Aufschub steht im Widerspruch zum Prinzip der Sicherung und Stabilität des Finanzsystems und des Funktionierens des Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen.

Oliver Krautscheid: Private Equity beschert in 2012 Überrenditen für Pensionskassen

US-amerikanische und europäische Pensionsfonds, die Ihre Kapitalanlagen samt Anlageergebnisse offenlegen, erlauben Rückschlüsse auf die internationalen Renditen verschiedener Anlageklassen. Auf Basis einer Analyse, die auf die Renditen aus dem Jahr 2012 zurückgreift, erreicht Private Equity die höchste Rendite im Portfolio der öffentlichen Pensionsfonds. Trotz dem Branchen-Auf-und-Ab im M&A-Markt und der schwierigen Akquisitionsfinanzierungen seit der Finanzkrise Ende 2008, liegt der durchschnittliche (Median) interne Zinsfuss bei 11,5% per annum versus 6,5% festverzinsliche Anlagen, 8,9% für Aktien und 7,7% Rendite auf das Gesamtportfolio der Pensionskassen.

PE 2012 Rendite-Anteil Pensionskassen

Oliver Krautscheid: Indizes besser als Hedgefonds im 1. Quartal 2013

Ein direktes Aktieninvestment bzw. Indexzertifikate haben sich für die Investoren in diesem Jahr häufig mehr gelohnt, als Gelder in Hedgefonds zu stecken. Im Schnitt legten die alternativen Produkte in diesem Jahr bislang lediglich um rund 3% zu. Viele Börsenplätze schnitten besser ab.

Nur eine Minderheit der Hedgefonds marschiert in diesem Jahr im Gleichschritt mit der Börse. Viele Produkte schneiden schlechter als die Märkte ab, zeigt die jüngste Auswertung des Datenanbieters Hedge Fund Research. Während der US-Aktienmarkt im ersten Quartal 2013 ein Allzeithoch erreichte und etwa der Dow Jones Global Index mehr als 6% zulegen konnte, erreichten die Hedgefonds weltweit dem HFRX Global Hedge Fund Index zufolge im Schnitt nur ein Plus von 3,1%. Dabei konnten klassische Long-Short-Strategien im Aktienbereich zumindest mit den Aktienmärkten gleichziehen. Mit Ausnahme einiger Spezialstrategien blieben andere Konzepte hinter solchen Wachstumsraten zurück.

Die gute Börsenentwicklung 2013 spiegelt sich in den aktienbasierten Hedgefondsstrategien wider. Der FRX Equity Hedge Index – Produkte, die sowohl auf steigende als auch auf fallende Aktienmärkte setzen – weist für das erste Vierteljahr ein Plus von 5,1% aus. Am besten schnitten Konzepte ab, die nach fundamentaler Analyse auf Einzelwerte setzen. Diese legten im Schnitt um 6,4% zu und damit ähnlich wie der Dow Jones Global Index.

Auf Ereignisse gewettet.Ein wenig besser als Aktienstrategien schnitten Hedgefonds ab, die auf spezielle Ereignisse setzen. Der HFRX Event Driven Index kam um 5,3% voran. Hier wird zum Beispiel auf Übernahmen und Fusionen von Unternehmen gewettet.

Der HFRX MLP Index sprang im ersten Quartal um 15,4% in die Höhe. In den Jahren 2009 bis 2011 hatten diese Hedgefonds mit Zuwachsraten von bis zu 31% geglänzt. 2012 hatte es indes nur ein Plus von 4,1% gegeben.

Magere Erfolge gibt es im bisherigen Jahresverlauf dagegen bei anderen beliebten Hedgefondsstrategien. Die auf Bewertungsunterschiede von Wertpapieren setzenden Hedgefonds kamen nur um 1,7% voran, wie der HFRX Relative Value Arbitrage Index zeigt. Konzepte, bei denen die Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklungen auf diverse Wertpapiere im Zentrum stehen, waren in den ersten drei Monaten völlig glücklos. Sie traten auf der Stelle, wie der HFRX Macro/CTA Index zeigt.

Quelle: Börsen-Zeitung, 4.4.2013

Oliver Krautscheid: Die aussterbende Rasse der Triple-A Länder

LänderratingSeit der Finanzkrise 2008 sind Investmentanlagen, die die Topnoten der Ratingagenturen tragen, um 60% gesunken. Die eindrucksvolle Analyse zur Verschlechterung der Kreditqualität von bislang als risikolos eingeschätzten Staatsanleihen hat die Financial Times in London ermittelt. Holger Zschäpitz berichtet darüber in der WELT Online vom 27. März 2013. Demnach kreiert die Zypern-Rettung auch Gefahren für das Deutsche Top-Rating.

Auszüge zur Analyse: …Vor allem die Herabstufung der USA, aber auch von Großbritannien und Frankreich habe die Zahl der Anleihen auf dem Markt mit dem Toprating extrem sinken lassen. Das Volumen von Staatsanleihen, die bei den großen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch noch AAA-Status genießen, sank von elf Billionen Dollar im Jahr 2007 auf nur noch vier Billionen Dollar. Inzwischen existieren lediglich noch elf Länder, die von allen drei maßgeblichen Agenturen mit der Spitzennote Triple-A bewertet werden.

Nur noch zwei G-8-Länder mit AAA

Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Zahl der Staaten mit Top-Bonität um vier gesunken. Zuletzt waren Großbritannien, Frankreich und Österreich aus der ersten Länderliga verstoßen worden. Unter den acht führenden Industrienationen (G 8) verbleiben mit Deutschland und Kanada gerade noch zwei Länder mit einem AAA von allen Agenturen. Und die Zahl dürfte schon bald weiter schrumpfen. Auf der Kippe stehen insbesondere die Niederlande, deren Schuldenquote auf 80 Prozent zusteuert. Die Wirtschaft steckt in einer Rezession. Nach zwei Minusquartalen in Folge erwartet die Ratingagentur Fitch auch für dieses Jahr ein weiteres Schrumpfen. Nirgendwo lässt sich der Auf- und Abstieg von Nationen besser ablesen. Und tatsächlich spiegelt die Herabstufung der großen Industrieländer die Machtverschiebung auf dem Globus. Den Herabstufungen in Europa – besonders drastisch bei Euro-Zonen-Ländern wie Griechenland, Irland, Spanien oder Zypern – steht eine Anhebung vieler Ratings in anderen Teilen der Welt gegenüber. Dies manifestiert sich besonders an den Ratings der lateinamerikanischen Länder Bolivien, Uruguay und Brasilien. Aber auch in Asien lässt sich der Aufstieg beobachten. Erst heute wurden die Philippinen von der Ratingagentur Fitch in den Club der investmentwürdigen Länder aufgenommen. Von Investmentqualität spricht man, wenn ein Land besser als BBB eingestuft wird.

Moody’s warnt Europa

„Vor fünf Jahren war die Welt noch überschaubar. Bankenkrisen oder Staatspleiten gab es vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften und nicht den Industriestaaten“, sagt David Riley, bei der Agentur Fitch für die Länder-Rankings zuständig. „Jetzt leben wir in einer Welt, in der viele dieser Annahmen verschwunden sind.“

In Europa könnte die Zypern-Rettung noch Folgen haben: Sie wirke sich insgesamt negativ auf die Bonitätsnoten der Euro-Zone aus, sagte der Moody’s-Analyst Dietmar Hornung. Die Fachleute der Ratingagentur machten allerdings keine konkreten Angaben dazu, ob Italien insbesondere nach den Entwicklungen in Zypern mit einer Herabstufung rechnen muss. Das Euro-Krisenland wird derzeit von Moody’s mit „Baa2“ bewertet. Der Ausblick ist negativ. In Italien werde jetzt genau auf die Bemühungen zur Bildung einer neuen Regierung geschaut, sagten die Experten. Mit dem Rating für Spanien sei Moody’s derzeit zufrieden.

Auch AAA von Deutschland gefährdet

Wegen der finanziellen Verbindlichkeiten in der Euro-Krise hat Moody’s sogar Deutschland mit einer Abstufung gedroht. Die Bundesrepublik hat bei Moody’s einen negativen Ausblick, was mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Rückstufung führt. Die Ratingagentur warnte die EU-Regierungen vor einer Selbstüberschätzung bei der Bewältigung der Euro-Krise. Auch nach ihrem ungeschickten Vorgehen zur Rettung Zyperns seien die Politiker offenbar davon überzeugt, ein Übergreifen der Krise auf weitere Euro-Länder verhindern zu können, sagte Moody’s-Experte Bart Oosterveld. „Wir gehen davon aus, dass diese Zuversicht fehl am Platze sein könnte.“ Das Ende der Triple-A-Staaten stellt Anleger vor eine echte Herausforderung. Gerade institutionelle Investoren wie Lebensversicherungen hatten einen Teil der Kundengelder bislang lediglich in bombensichere Papiere gesteckt. Nun verkleinert sich ihr Anlage-Universum mit jeder Rückstufung. Sogar der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte zuletzt vor einer Verknappung sicherer Anlagen gewarnt. Wenn es immer weniger davon gebe, würden die Preise stetig steigen und die Titel am Ende nichts mehr abwerfen.

Quelle: WELT Online

Oliver Krautscheid: Größte Kapitalvernichter laut DSW

Alljährlich veröffentlicht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) eine Liste der Aktien mit der schlechtesten Performance der letzten Jahre – in vielen Medien auch „Größte Kapitalvernichter“. Für das vergangene Kalenderjahr wird die Liste von prominenten Vertreter der Solarbranche und Erneuerbare Energien angeführt, aber auch DAX Konzern wie Commerzbank, E.on, Metro und RWE sind enthalten.

Wenn von größte Kapitalvernichter gesprochen wird, dann muss korrigierend festgehalten werden, dass die Liste einen „survivor bias“ hat, weil insolvente Unternehmen, die vom Kurszettel verschwinden, nicht mehr aufgenommen werden. Einige der in der Liste enthaltenen „schlechten“ Aktien schaffen es sogar erfolgreich aus der Liste und in den Top 20 gibt es sogar zwei Aktien mit positiver Aktienperformance: Fantastic Company mit +54% und die Commerzbank AG mit +7%.

Jörg Hackhausen im Handelsblatt fasst in dem Artikel: „Anlegerschützer Warnen – Das sind die größten Kapitalvernichter“ die wichtigsten Ergebnisse aus der Studie zusammen, welche auf der Webseite der DSW noch nicht veröffentlicht ist.

Anlegerschützer haben die schlechtesten Aktien gekürt. Auf den vorderen Plätzen landen alte Bekannte, aber auch Dax-Konzerne. Die Commerzbank ist dabei. Und zwei Schwergewichte haben fast hundert Milliarden verbrannt.

Es war ein gutes Jahr an der Börse. Der Dax legte 2012 um fast 30 Prozent zu. Die Aktien aus der zweiten Reihe gewannen noch mehr. Da sollte man meinen, dass Anlegerschützer wenig zu meckern haben. Weit gefehlt.

Wie man es auch in guten Börsenjahren schaffen kann, das Kapital seiner Anteilseigner fast vollständig zu verbrennen, zeigt ein Blick auf die „Watchlist“ der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auf der Liste finden sich alte Bekannte, Pleitekandidaten, aber auch große Namen wie Commerzbank, Praktiker, Air Berlin, Eon oder Metro.

„Anleger müssen auch dann ihre Hausaufgaben machen. Was viele vergessen ist, zwischenzeitlich Gewinne zu sichern. Das gilt gerade jetzt, da der Dax bei 8.000 Punkten notiert“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Einmal im Jahr stellt die DSW seit 2001 ihre Liste mit den 50 größten Kapitalvernichtern auf dem deutschen Aktienmarkt vor. Analysiert wurden Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren im Prime Standard der Deutschen Börse notiert sind. Dabei orientieren sich die Anlegerschützer allein an der Entwicklung der Aktienkurse. Um kurzfristigen Schwankungen nicht zu viel Gewicht zu geben, gehen die vergangenen fünf Jahre in die Betrachtung ein. Wer es auf die Liste schafft, steht dort nicht zufällig. Die ersten zehn der Liste haben nach DSW-Angaben in den vergangenen fünf Jahren zusammen rund zehn Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Der Sieger der unrühmlichen Wertung der größten Kapitalvernichter ist einerseits eine Überraschung, andererseits auch wieder nicht. Überraschend ist, dass das Unternehmen ganz neu auf der Liste auftaucht, in den vergangenen Jahren also noch gar nicht auf dem Radar der Anlegerschützer auftauchte. In den meisten Fällen zieht sich der Absturz über Jahre hin – in diesem Fall ging es schneller.

Wenig überraschend ist dagegen, dass es sich um ein Unternehmen aus der Solarbranche handelt:Centrotherm Photovoltaik. Ende 2007 lag die Marktkapitalisierung der Gesellschaft noch bei 1,16 Milliarden Euro. Aktuell ist Centrotherm an der Börse nur noch rund 25 Millionen Euro wert. Der Grund: Im vergangenen Jahr geriet die Firma in Schieflage. Im Rahmen eines Insolvenzplans, dem Gläubiger und Aktionäre im Januar zugestimmt haben, soll sie saniert werden.
Die Aktie von Centrotherm wies im Ein- und im Dreijahresvergleich die schlechteste Performance aller untersuchten Unternehmen auf. Im Fünfjahreszeitraum hat es immer noch für Platz zwei gereicht, übertroffen nur vom Vorjahresverlierer Conergy, der sich in der aktuellen Liste immer noch auf Rang sechs wiederfindet.

Wie auf dem Neuen Markt
Die Hälfte der zehn größten Kapitalvernichter kommt aus der Solarbranche. Die Aktien zählten einst zu den Lieblingen der Anleger. Jahrelang ging es für die Kurse nur aufwärts. Doch das Wachstum der Branche beruhte auf Subventionen, die Erforschung neuer Technologien verschlief man genauso wie das Aufkommen harter Konkurrenz aus China. Mittlerweile sind mehrere deutsche Solarfirmen pleite gegangen, andere sind bedroht. Das wollten Analysten und Anleger lange nicht erkennen – auch die Anlegerschützer meldeten sich erst spät zu Wort. Hinterher sind einige Leute schlauer, und ärmer. „Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien setzen das fort, was wir am Neuen Markt erlebt haben“, sagte Klaus Nieding, Anlegeranwalt und Vizepräsident der DSW.

Kein Wunder also, dass Platz zwei der Watchlist an Solarworld geht. Die Bonner Gesellschaft, deren Gründer Frank Asbeck im Jahr 2008 noch mit einem Übernahmeangebot für den angeschlagenen Autobauer Opel für Aufsehen sorgte, hat mittlerweile selbst akute Probleme. Phoenix Solar auf dem dritten Platz kämpft ebenfalls ums Überleben.

„Die hohe Präsenz von Werten aus der Solarbranche zeigt deutlich, dass Anleger sich davor hüten sollten, bei ihren Investitionsentscheidungen auf Trends zu setzen, statt einer genauen Analyse“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Aber auch Dax-Konzerne tauchen auf der Liste auf, wenn auch vereinzelt. Mit dabei sind die Energiekonzerne Eon und RWE. Die beiden Stromriesen hatten keine Antwort auf die Energiewende parat. Sie hatten sich zu sehr auf Atomstrom verlassen. Als die Politik die Energiewende beschloss, hin zu mehr alternativen Energien, ging den Konzernen über Nacht das Geschäftsmodell verloren. An der Börse spiegelte sich da in herben Kursverlusten wider. In den vergangenen fünf Jahren hätten Eon und RWE fast hundert Milliarden Euro an Börsenwert verbrannt, so Tüngler.

Fast schon ein Dauergast auf der „Watchlist“ ist die Commerzbank – sie ist bereits zum vierten Mal in Folge dabei. Im vergangenen Jahr lag die Bank noch auf Platz neun der größten Kapitalvernichter, diesmal ist es Platz 20, weil der Kurs 2012 nicht noch weiter gefallen ist. Zählt das schon als Aufwärtstrend? Wohl eher nicht. Zumal die „Chance“ groß ist, dass die Bank auch im kommenden Jahr auf der Liste steht. Bankchef Martin Blessing hat gerade erst angekündigt, dass er den Aktionären eine weitere Kapitalerhöhung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zumutet. Damit will er einen Teil der Staatshilfe zurückzahlen, die nötig war, um die Bank in der Finanzkrise zu stützen. Die Hauptversammlung muss noch zustimmen, der Aktienkurs hat jetzt schon gelitten. Zeitweise kostete ein Anteilsschein nur noch 1,20 Euro.

Mancher schafft den Turnaround
Analysten brachten wenig Verständnis für die geplante Kapitalerhöhung auf. „Wirklich nachvollziehbar ist für uns die Kapitalerhöhung nicht“, schrieb Ingo Frommen von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wir verstehen den Zeitpunkt dieser Transaktion nicht“, sagte Philipp Häßler von Equinet und stuft die Aktie auf „Verkaufen“ von „Kaufen“ herunter. Sein Kursziel: ein Euro. „Aus unserer Sicht war die Commerzbank kurzfristig nicht unter Druck. Wir verstehen nicht, warum sie eine große Kapitalerhöhung ankündigt, wenn die Aktie nahe dem Allzeittief notiert.“ Auch die Anlegerschützer schimpfen: „Wir sehen die Commerzbank und ihre geplante Kapitalerhöhung mit großer Besorgnis. Die Bank verwässert das Kapital ihrer Aktionäre in einer Weise, wie wir es in Deutschland noch nie erlebt haben“, sagte Nieding bei der Vorstellung der DSW-Watchlist. „Herr Blessing stellt auf jeder Hauptversammlung tolle Ziele vor, die dann auf der nächsten wieder kassiert werden. Geschäftsfelder, die gestern noch als Ertragsbringer dienen sollten, werden morgen verkauft.“ Es fehle eine klare Strategie.

Einen Makel hat die Liste der Anlegerschützer jedoch: Sie brandmarkt diejenigen, bei denen der Schaden schon entstanden ist – als Frühwarnsystem, bevor es zu spät ist, taugt sie nur bedingt. Zumal in der Vergangenheit einzelne Aktien, die zu den Kapitalvernichtern zählten, den Turnaround schafften. Auf der Liste im vergangenen Jahr standen etwa Tui oder Heidelberger Druck – beide Aktien legten in den letzten zwölf Monaten um 50 Prozent zu. „Wenn eine Gesellschaft auf der Liste auftaucht, ist das ein Warnsignal. Es muss aber nicht unbedingt ein Verkaufssignal sein“, sagt Tüngler. Manchmal könne es sogar das Gegenteil sein, vorausgesetzt das Geschäftsmodell funktioniert. Auf die Frage, welchen Firmen auf der aktuellen Liste der Turnaround gelingen könnte, muss Tüngler lange überlegen. „Wir haben uns die Liste lange angeschaut und uns gefragt: Wie sollen die aus dem Keller jemals wieder rauskommen.“ Am Ende lässt er sich doch hinreißen, einen Kandidaten zu nennen: Wacker Chemie. Sein Kollege Nieding tippt auf Eon und Metro.

Quelle: Handelsblatt Online unter http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/anlegerschuetzer-warnen-das-sind-die-groessten-kapitalvernichter/7986468.html

DSW 2013

Oliver Krautscheid: Private Equity noch nicht von der Krise erholt

In der globalen Private Equity Branche knallten 2006 noch allerorts die Champagner-Korken. Die Gelder der Investoren in Private Equity Fonds flossen in Strömen, der Kaufanteil am M&A Markt betrug fast die Hälfte aller Transaktionen und die Firmenübernahmen kannten wertmäßig keine Grenzen mehr nach oben. Zu Boomzeiten stellten die größten US Private Equity Fonds jeweils hunderte Millionen Schecks für Vermittlungshonorare an die Investmentbanken aus, die zu Exzessen und historischen Bonusrekorden führten.

Aber bereits im Jahre 2007 ging das Investoreninteresse zurück und seit der zweiten Jahreshälfte 2008 nach dem Kollaps der Lehman Investmentbank suchten die Investoren das Weite.

In den vergangenen vier Jahren (2009-12) war das kumulierte eingeworbene Kapital für europäisches Private Equity in Höhe von EUR 104 Milliarden deutlich geringer wie in einem einzigen Jahr 2006 mit rund EUR 117 Milliarden (Quelle: EVCA 2013 und PEREP_Analytics).

Die Zurückhaltung bei den Geldgebern von Private Equity Fonds sowie die eingeschränkte Verfügbarkeit von Akquisitionsfinanzierungen führten zu einem deutlichen Einbruch der Übernahmen durch Private Equity Fonds. Während im Jahre 2007 europäische Fonds noch 80 Milliarden in Deals investierten, waren es im Jahre 2012 lediglich 34 Milliarden.

Die traditionellen Geldgeber von Private Equity Fonds sind in Europa: Pensionsfonds (Anteil 22% fallend) Dachfonds (Anteil 14% stabil), Staatsfonds (Anteil 11% steigend) und andere staatliche Investitionen (Anteil 10% steigend) sowie Family Offices (Anteil 9% steigend) und Versicherungen (Anteil 7% fallend).

Für das Einwerben von frischem Geld in Private Equity Fonds, welche überlicherweise eine 10-jährige Laufzeit haben, wurde immer wichtiger, dass die Investoren erst einmal ihr Geld aus Vorgängerfonds zurück erhielten. Die Unternehmensverkäufe von Fonds waren im Krisenjahr 2009 und 2010 noch gering (je 12-14 Milliarden). Im Jahre 2011 wurden immerhin 31 Milliarden desinvestiert, aber die Geschwindigkeit der Rückflüsse konnte im Jahr 2012 mit rund 19 Milliarden nicht gehalten werden.

Trotz lockerer Geldpolitik der Notenbanken, die schon einmal einen Boom beschert hat, erwarten viele Marktbeobachter eine anhaltende Zurückhaltung der Investoren. Ein wichtiger Aspekt ist die zunehmende Regulierung: Solvency II (Steuerung von Versicherungsgeldern in die Staatsanleihen), die AIFM-Richtlinie (Bürokratie bei den Investoren), Basel II und III (Kreditverteuerung) etc.

So bleibt es spannend, wie die junge Private Equity Branche mit der Krise umgeht und eine Neuausrichtung ermöglicht.

Weitere Detailinformationen finden Sie unter:

Oliver Krautscheid: In 2012 konnten die meisten Hedgefonds nicht überzeugen

Während in 2012 die deutsche Börse brummte – der DAX stieg um 29%, dem größten Plus seit neun Jahren – erzielten viele Hedgefonds nur durchschnittliche Ergebnisse für ihre Investoren.

Die Spannbreite der erzielten Jahresrenditen 2012 schwankte im Top bei rund +11%, die in den folgenden Kategorien erreicht wurden: Distressed debt, Emerging markets, Fixed income arbitrage sowie Multi-strategy, bis hin zum Schlußlicht mit -20% für die Dedicated short strategy und einer durchschnittlich negativen Performance der CTA-Manager.

Die Volatilität im Markt (VIX Index) als Maß für das Risiko war in 2012 überwiegend niedrig und schwankte zwischen 26% im Mai 2012 und 13% im August 2012. In den vorangegangen Krisenjahren (Ende 2009) erreichte die Volatilität zeitweise bis zu 80%.

Die nachfolgende Tabelle enthält die durchschnittlichen Hedgefonds-Ergebnisse der jeweiligen Anlagestrategien:

HF 2012 performance OK

Oliver Krautscheid: Warnung vor zu starker Derivate- Regulierung

Bezüglich eines von der Bundesregierung vorgelegten Finanzmarktregulierungsgesetz haben Börsen und Banken, in einer Anhörung des Finanzausschusses Änderungen des Entwurfes verlangt, um unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken zu vermeiden.

Das EMIR Ausführungsgesetz bezieht sich auf die unmittelbar geltende EU- Verordnung zur Finanzmarkregulierung. Die EU Verordnung sieht vor, dass bestimmte Derivategeschäfte künftig nicht mehr außerhalb von der Börse direkt zwischen den Geschäftspartnern abgewickelt werden dürfen (over the counter). Vorgesehen für diese Derivategeschäfte ist vielmehr, dass sie über zentrale Clearing Stellen geleitet und in Transaktionsregistern dokumentiert werden.

Die Finanzaufsicht erhofft sich dadurch einen besseren Überblick über die Marktaktivitäten und Risikooptionen zu erlangen. Hintergrund dessen, ist das die Finanzkrise bereits deutlich gezeigt hat, dass Intransparente, frei abgeschlossene Derivategeschäfte zu großem Misstrauen gegenüber Banken geführt und die Funktionsfähigkeit der Märkte beeinträchtigt hätte

Das DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) äußerte Bedenken hinsichtlich des Vorhabens. Durch die Bildung größerer Einheiten am Derivate-Markt würden neue Risiken geschaffen werden. Dabei weist das DIW darauf hin, dass es eine Katastrophe wäre, wenn eine zentrale Clearing Stelle eines Tages ausfalle würde. Daher empfehlen sie vielmehr zu prüfen, ob die Nutzung von OTC- Derivaten nicht insgesamt eingeschränkt werden sollen. Weiter ist Transparenz die Vorstufe der Regulierung. Daran sollte gearbeitet werden.

 

Oliver Krautscheid: Pflicht zum Nachteilsausgleich im Derivaten-Handel

Die mit dem EMIR Ausführungsgesetz einhergehenden Änderungen betreffen die Finanzmarktregulierung. Konkreter geht es um Derivate- Geschäfte. Streitig ist dabei vor allem die Nachteilsausgleichsverpflichtung für Insolvenzgläubiger. Der Bundesrat fordert bezüglich den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf dieses Ausführungsgesetzes, diese Änderungen zu streichen. Durch eine Nachteilausgleichspflicht würde die Wettbewerbsfähigkeit der Clearing Dienstleistungen im Vergleich zu internationalen Wettbewerbens erheblich geschwächt. Aus der Pressemitteilung des Bundestages vom 3.12.2012 geht hervor, dass die Bundesregierung eine Prüfung vornehmen wird.