Oliver Krautscheid: Die aussterbende Rasse der Triple-A Länder

LänderratingSeit der Finanzkrise 2008 sind Investmentanlagen, die die Topnoten der Ratingagenturen tragen, um 60% gesunken. Die eindrucksvolle Analyse zur Verschlechterung der Kreditqualität von bislang als risikolos eingeschätzten Staatsanleihen hat die Financial Times in London ermittelt. Holger Zschäpitz berichtet darüber in der WELT Online vom 27. März 2013. Demnach kreiert die Zypern-Rettung auch Gefahren für das Deutsche Top-Rating.

Auszüge zur Analyse: …Vor allem die Herabstufung der USA, aber auch von Großbritannien und Frankreich habe die Zahl der Anleihen auf dem Markt mit dem Toprating extrem sinken lassen. Das Volumen von Staatsanleihen, die bei den großen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch noch AAA-Status genießen, sank von elf Billionen Dollar im Jahr 2007 auf nur noch vier Billionen Dollar. Inzwischen existieren lediglich noch elf Länder, die von allen drei maßgeblichen Agenturen mit der Spitzennote Triple-A bewertet werden.

Nur noch zwei G-8-Länder mit AAA

Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Zahl der Staaten mit Top-Bonität um vier gesunken. Zuletzt waren Großbritannien, Frankreich und Österreich aus der ersten Länderliga verstoßen worden. Unter den acht führenden Industrienationen (G 8) verbleiben mit Deutschland und Kanada gerade noch zwei Länder mit einem AAA von allen Agenturen. Und die Zahl dürfte schon bald weiter schrumpfen. Auf der Kippe stehen insbesondere die Niederlande, deren Schuldenquote auf 80 Prozent zusteuert. Die Wirtschaft steckt in einer Rezession. Nach zwei Minusquartalen in Folge erwartet die Ratingagentur Fitch auch für dieses Jahr ein weiteres Schrumpfen. Nirgendwo lässt sich der Auf- und Abstieg von Nationen besser ablesen. Und tatsächlich spiegelt die Herabstufung der großen Industrieländer die Machtverschiebung auf dem Globus. Den Herabstufungen in Europa – besonders drastisch bei Euro-Zonen-Ländern wie Griechenland, Irland, Spanien oder Zypern – steht eine Anhebung vieler Ratings in anderen Teilen der Welt gegenüber. Dies manifestiert sich besonders an den Ratings der lateinamerikanischen Länder Bolivien, Uruguay und Brasilien. Aber auch in Asien lässt sich der Aufstieg beobachten. Erst heute wurden die Philippinen von der Ratingagentur Fitch in den Club der investmentwürdigen Länder aufgenommen. Von Investmentqualität spricht man, wenn ein Land besser als BBB eingestuft wird.

Moody’s warnt Europa

„Vor fünf Jahren war die Welt noch überschaubar. Bankenkrisen oder Staatspleiten gab es vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften und nicht den Industriestaaten“, sagt David Riley, bei der Agentur Fitch für die Länder-Rankings zuständig. „Jetzt leben wir in einer Welt, in der viele dieser Annahmen verschwunden sind.“

In Europa könnte die Zypern-Rettung noch Folgen haben: Sie wirke sich insgesamt negativ auf die Bonitätsnoten der Euro-Zone aus, sagte der Moody’s-Analyst Dietmar Hornung. Die Fachleute der Ratingagentur machten allerdings keine konkreten Angaben dazu, ob Italien insbesondere nach den Entwicklungen in Zypern mit einer Herabstufung rechnen muss. Das Euro-Krisenland wird derzeit von Moody’s mit „Baa2“ bewertet. Der Ausblick ist negativ. In Italien werde jetzt genau auf die Bemühungen zur Bildung einer neuen Regierung geschaut, sagten die Experten. Mit dem Rating für Spanien sei Moody’s derzeit zufrieden.

Auch AAA von Deutschland gefährdet

Wegen der finanziellen Verbindlichkeiten in der Euro-Krise hat Moody’s sogar Deutschland mit einer Abstufung gedroht. Die Bundesrepublik hat bei Moody’s einen negativen Ausblick, was mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Rückstufung führt. Die Ratingagentur warnte die EU-Regierungen vor einer Selbstüberschätzung bei der Bewältigung der Euro-Krise. Auch nach ihrem ungeschickten Vorgehen zur Rettung Zyperns seien die Politiker offenbar davon überzeugt, ein Übergreifen der Krise auf weitere Euro-Länder verhindern zu können, sagte Moody’s-Experte Bart Oosterveld. „Wir gehen davon aus, dass diese Zuversicht fehl am Platze sein könnte.“ Das Ende der Triple-A-Staaten stellt Anleger vor eine echte Herausforderung. Gerade institutionelle Investoren wie Lebensversicherungen hatten einen Teil der Kundengelder bislang lediglich in bombensichere Papiere gesteckt. Nun verkleinert sich ihr Anlage-Universum mit jeder Rückstufung. Sogar der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte zuletzt vor einer Verknappung sicherer Anlagen gewarnt. Wenn es immer weniger davon gebe, würden die Preise stetig steigen und die Titel am Ende nichts mehr abwerfen.

Quelle: WELT Online

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