Oliver Krautscheid: ESMA-Entwurf technischer Durchführungsstandards

Der EU- Kommission liegt ein ESMA- Entwurf technischer Durchführungsstandards zur Zustimmung vor. Die ESMA schlägt vor, dass das Datum des Meldebeginns für börsengehandelte Derivate bis zum 1.1.2015 verschoben wird, um Leitlinien und Empfehlungen zur Sicherstellung einer gemeinsamen und einheitlichen Anwendung von Art. 9 der Verordnung der EU (Nr.648/2012 zu entwickeln.

Die im Vorschlag des ESMA vorgebrachten Bedenken rechtfertigen jedoch keinen Aufschub bezüglich der Meldung von börsengehandelten Derivaten an das Transaktionsregister. Die Meldepflichten im Rahmen von EMIR unterscheiden sich von denen im Rahmen von MiFID. Diese Unterschiede sind durch unterschiedliche Adressaten und den Zweck der Meldepflichten gerechtfertigt und entstehen der ordnungsgemäßen Anwendung beider Meldepflichten nicht entgegen. Diese Unterschiede wurden bereits im Entwurf technischer Regulierungsstandards in Bezug auf die Meldung im Rahmen von EMIR berücksichtigt.

Eine Aufschiebung der Meldepflichten um ein Jahr würde darüber hinaus die Erreichung der Hauptziele von EMIR behindern. EMIR hat die Identifizierung, Überwachung, Bewertung und Minderung des systematischen Risikos aus Derivaten- Geschäften zum Ziel.

Die EU Kommission wird daher voraussichtlich ihre Zustimmung zum Vorschlag der ESMA verweigern. Denn der vorgeschlagene Aufschub steht im Widerspruch zum Prinzip der Sicherung und Stabilität des Finanzsystems und des Funktionierens des Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen.

Oliver Krautscheid: Indizes besser als Hedgefonds im 1. Quartal 2013

Ein direktes Aktieninvestment bzw. Indexzertifikate haben sich für die Investoren in diesem Jahr häufig mehr gelohnt, als Gelder in Hedgefonds zu stecken. Im Schnitt legten die alternativen Produkte in diesem Jahr bislang lediglich um rund 3% zu. Viele Börsenplätze schnitten besser ab.

Nur eine Minderheit der Hedgefonds marschiert in diesem Jahr im Gleichschritt mit der Börse. Viele Produkte schneiden schlechter als die Märkte ab, zeigt die jüngste Auswertung des Datenanbieters Hedge Fund Research. Während der US-Aktienmarkt im ersten Quartal 2013 ein Allzeithoch erreichte und etwa der Dow Jones Global Index mehr als 6% zulegen konnte, erreichten die Hedgefonds weltweit dem HFRX Global Hedge Fund Index zufolge im Schnitt nur ein Plus von 3,1%. Dabei konnten klassische Long-Short-Strategien im Aktienbereich zumindest mit den Aktienmärkten gleichziehen. Mit Ausnahme einiger Spezialstrategien blieben andere Konzepte hinter solchen Wachstumsraten zurück.

Die gute Börsenentwicklung 2013 spiegelt sich in den aktienbasierten Hedgefondsstrategien wider. Der FRX Equity Hedge Index – Produkte, die sowohl auf steigende als auch auf fallende Aktienmärkte setzen – weist für das erste Vierteljahr ein Plus von 5,1% aus. Am besten schnitten Konzepte ab, die nach fundamentaler Analyse auf Einzelwerte setzen. Diese legten im Schnitt um 6,4% zu und damit ähnlich wie der Dow Jones Global Index.

Auf Ereignisse gewettet.Ein wenig besser als Aktienstrategien schnitten Hedgefonds ab, die auf spezielle Ereignisse setzen. Der HFRX Event Driven Index kam um 5,3% voran. Hier wird zum Beispiel auf Übernahmen und Fusionen von Unternehmen gewettet.

Der HFRX MLP Index sprang im ersten Quartal um 15,4% in die Höhe. In den Jahren 2009 bis 2011 hatten diese Hedgefonds mit Zuwachsraten von bis zu 31% geglänzt. 2012 hatte es indes nur ein Plus von 4,1% gegeben.

Magere Erfolge gibt es im bisherigen Jahresverlauf dagegen bei anderen beliebten Hedgefondsstrategien. Die auf Bewertungsunterschiede von Wertpapieren setzenden Hedgefonds kamen nur um 1,7% voran, wie der HFRX Relative Value Arbitrage Index zeigt. Konzepte, bei denen die Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklungen auf diverse Wertpapiere im Zentrum stehen, waren in den ersten drei Monaten völlig glücklos. Sie traten auf der Stelle, wie der HFRX Macro/CTA Index zeigt.

Quelle: Börsen-Zeitung, 4.4.2013

Oliver Krautscheid: In 2012 konnten die meisten Hedgefonds nicht überzeugen

Während in 2012 die deutsche Börse brummte – der DAX stieg um 29%, dem größten Plus seit neun Jahren – erzielten viele Hedgefonds nur durchschnittliche Ergebnisse für ihre Investoren.

Die Spannbreite der erzielten Jahresrenditen 2012 schwankte im Top bei rund +11%, die in den folgenden Kategorien erreicht wurden: Distressed debt, Emerging markets, Fixed income arbitrage sowie Multi-strategy, bis hin zum Schlußlicht mit -20% für die Dedicated short strategy und einer durchschnittlich negativen Performance der CTA-Manager.

Die Volatilität im Markt (VIX Index) als Maß für das Risiko war in 2012 überwiegend niedrig und schwankte zwischen 26% im Mai 2012 und 13% im August 2012. In den vorangegangen Krisenjahren (Ende 2009) erreichte die Volatilität zeitweise bis zu 80%.

Die nachfolgende Tabelle enthält die durchschnittlichen Hedgefonds-Ergebnisse der jeweiligen Anlagestrategien:

HF 2012 performance OK

Oliver Krautscheid: Warnung vor zu starker Derivate- Regulierung

Bezüglich eines von der Bundesregierung vorgelegten Finanzmarktregulierungsgesetz haben Börsen und Banken, in einer Anhörung des Finanzausschusses Änderungen des Entwurfes verlangt, um unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken zu vermeiden.

Das EMIR Ausführungsgesetz bezieht sich auf die unmittelbar geltende EU- Verordnung zur Finanzmarkregulierung. Die EU Verordnung sieht vor, dass bestimmte Derivategeschäfte künftig nicht mehr außerhalb von der Börse direkt zwischen den Geschäftspartnern abgewickelt werden dürfen (over the counter). Vorgesehen für diese Derivategeschäfte ist vielmehr, dass sie über zentrale Clearing Stellen geleitet und in Transaktionsregistern dokumentiert werden.

Die Finanzaufsicht erhofft sich dadurch einen besseren Überblick über die Marktaktivitäten und Risikooptionen zu erlangen. Hintergrund dessen, ist das die Finanzkrise bereits deutlich gezeigt hat, dass Intransparente, frei abgeschlossene Derivategeschäfte zu großem Misstrauen gegenüber Banken geführt und die Funktionsfähigkeit der Märkte beeinträchtigt hätte

Das DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) äußerte Bedenken hinsichtlich des Vorhabens. Durch die Bildung größerer Einheiten am Derivate-Markt würden neue Risiken geschaffen werden. Dabei weist das DIW darauf hin, dass es eine Katastrophe wäre, wenn eine zentrale Clearing Stelle eines Tages ausfalle würde. Daher empfehlen sie vielmehr zu prüfen, ob die Nutzung von OTC- Derivaten nicht insgesamt eingeschränkt werden sollen. Weiter ist Transparenz die Vorstufe der Regulierung. Daran sollte gearbeitet werden.

 

Oliver Krautscheid: Pflicht zum Nachteilsausgleich im Derivaten-Handel

Die mit dem EMIR Ausführungsgesetz einhergehenden Änderungen betreffen die Finanzmarktregulierung. Konkreter geht es um Derivate- Geschäfte. Streitig ist dabei vor allem die Nachteilsausgleichsverpflichtung für Insolvenzgläubiger. Der Bundesrat fordert bezüglich den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf dieses Ausführungsgesetzes, diese Änderungen zu streichen. Durch eine Nachteilausgleichspflicht würde die Wettbewerbsfähigkeit der Clearing Dienstleistungen im Vergleich zu internationalen Wettbewerbens erheblich geschwächt. Aus der Pressemitteilung des Bundestages vom 3.12.2012 geht hervor, dass die Bundesregierung eine Prüfung vornehmen wird.