Oliver Krautscheid: Private Equity beschert in 2012 Überrenditen für Pensionskassen

US-amerikanische und europäische Pensionsfonds, die Ihre Kapitalanlagen samt Anlageergebnisse offenlegen, erlauben Rückschlüsse auf die internationalen Renditen verschiedener Anlageklassen. Auf Basis einer Analyse, die auf die Renditen aus dem Jahr 2012 zurückgreift, erreicht Private Equity die höchste Rendite im Portfolio der öffentlichen Pensionsfonds. Trotz dem Branchen-Auf-und-Ab im M&A-Markt und der schwierigen Akquisitionsfinanzierungen seit der Finanzkrise Ende 2008, liegt der durchschnittliche (Median) interne Zinsfuss bei 11,5% per annum versus 6,5% festverzinsliche Anlagen, 8,9% für Aktien und 7,7% Rendite auf das Gesamtportfolio der Pensionskassen.

PE 2012 Rendite-Anteil Pensionskassen

Oliver Krautscheid: Größte Kapitalvernichter laut DSW

Alljährlich veröffentlicht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) eine Liste der Aktien mit der schlechtesten Performance der letzten Jahre – in vielen Medien auch „Größte Kapitalvernichter“. Für das vergangene Kalenderjahr wird die Liste von prominenten Vertreter der Solarbranche und Erneuerbare Energien angeführt, aber auch DAX Konzern wie Commerzbank, E.on, Metro und RWE sind enthalten.

Wenn von größte Kapitalvernichter gesprochen wird, dann muss korrigierend festgehalten werden, dass die Liste einen „survivor bias“ hat, weil insolvente Unternehmen, die vom Kurszettel verschwinden, nicht mehr aufgenommen werden. Einige der in der Liste enthaltenen „schlechten“ Aktien schaffen es sogar erfolgreich aus der Liste und in den Top 20 gibt es sogar zwei Aktien mit positiver Aktienperformance: Fantastic Company mit +54% und die Commerzbank AG mit +7%.

Jörg Hackhausen im Handelsblatt fasst in dem Artikel: „Anlegerschützer Warnen – Das sind die größten Kapitalvernichter“ die wichtigsten Ergebnisse aus der Studie zusammen, welche auf der Webseite der DSW noch nicht veröffentlicht ist.

Anlegerschützer haben die schlechtesten Aktien gekürt. Auf den vorderen Plätzen landen alte Bekannte, aber auch Dax-Konzerne. Die Commerzbank ist dabei. Und zwei Schwergewichte haben fast hundert Milliarden verbrannt.

Es war ein gutes Jahr an der Börse. Der Dax legte 2012 um fast 30 Prozent zu. Die Aktien aus der zweiten Reihe gewannen noch mehr. Da sollte man meinen, dass Anlegerschützer wenig zu meckern haben. Weit gefehlt.

Wie man es auch in guten Börsenjahren schaffen kann, das Kapital seiner Anteilseigner fast vollständig zu verbrennen, zeigt ein Blick auf die „Watchlist“ der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auf der Liste finden sich alte Bekannte, Pleitekandidaten, aber auch große Namen wie Commerzbank, Praktiker, Air Berlin, Eon oder Metro.

„Anleger müssen auch dann ihre Hausaufgaben machen. Was viele vergessen ist, zwischenzeitlich Gewinne zu sichern. Das gilt gerade jetzt, da der Dax bei 8.000 Punkten notiert“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Einmal im Jahr stellt die DSW seit 2001 ihre Liste mit den 50 größten Kapitalvernichtern auf dem deutschen Aktienmarkt vor. Analysiert wurden Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren im Prime Standard der Deutschen Börse notiert sind. Dabei orientieren sich die Anlegerschützer allein an der Entwicklung der Aktienkurse. Um kurzfristigen Schwankungen nicht zu viel Gewicht zu geben, gehen die vergangenen fünf Jahre in die Betrachtung ein. Wer es auf die Liste schafft, steht dort nicht zufällig. Die ersten zehn der Liste haben nach DSW-Angaben in den vergangenen fünf Jahren zusammen rund zehn Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Der Sieger der unrühmlichen Wertung der größten Kapitalvernichter ist einerseits eine Überraschung, andererseits auch wieder nicht. Überraschend ist, dass das Unternehmen ganz neu auf der Liste auftaucht, in den vergangenen Jahren also noch gar nicht auf dem Radar der Anlegerschützer auftauchte. In den meisten Fällen zieht sich der Absturz über Jahre hin – in diesem Fall ging es schneller.

Wenig überraschend ist dagegen, dass es sich um ein Unternehmen aus der Solarbranche handelt:Centrotherm Photovoltaik. Ende 2007 lag die Marktkapitalisierung der Gesellschaft noch bei 1,16 Milliarden Euro. Aktuell ist Centrotherm an der Börse nur noch rund 25 Millionen Euro wert. Der Grund: Im vergangenen Jahr geriet die Firma in Schieflage. Im Rahmen eines Insolvenzplans, dem Gläubiger und Aktionäre im Januar zugestimmt haben, soll sie saniert werden.
Die Aktie von Centrotherm wies im Ein- und im Dreijahresvergleich die schlechteste Performance aller untersuchten Unternehmen auf. Im Fünfjahreszeitraum hat es immer noch für Platz zwei gereicht, übertroffen nur vom Vorjahresverlierer Conergy, der sich in der aktuellen Liste immer noch auf Rang sechs wiederfindet.

Wie auf dem Neuen Markt
Die Hälfte der zehn größten Kapitalvernichter kommt aus der Solarbranche. Die Aktien zählten einst zu den Lieblingen der Anleger. Jahrelang ging es für die Kurse nur aufwärts. Doch das Wachstum der Branche beruhte auf Subventionen, die Erforschung neuer Technologien verschlief man genauso wie das Aufkommen harter Konkurrenz aus China. Mittlerweile sind mehrere deutsche Solarfirmen pleite gegangen, andere sind bedroht. Das wollten Analysten und Anleger lange nicht erkennen – auch die Anlegerschützer meldeten sich erst spät zu Wort. Hinterher sind einige Leute schlauer, und ärmer. „Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien setzen das fort, was wir am Neuen Markt erlebt haben“, sagte Klaus Nieding, Anlegeranwalt und Vizepräsident der DSW.

Kein Wunder also, dass Platz zwei der Watchlist an Solarworld geht. Die Bonner Gesellschaft, deren Gründer Frank Asbeck im Jahr 2008 noch mit einem Übernahmeangebot für den angeschlagenen Autobauer Opel für Aufsehen sorgte, hat mittlerweile selbst akute Probleme. Phoenix Solar auf dem dritten Platz kämpft ebenfalls ums Überleben.

„Die hohe Präsenz von Werten aus der Solarbranche zeigt deutlich, dass Anleger sich davor hüten sollten, bei ihren Investitionsentscheidungen auf Trends zu setzen, statt einer genauen Analyse“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Aber auch Dax-Konzerne tauchen auf der Liste auf, wenn auch vereinzelt. Mit dabei sind die Energiekonzerne Eon und RWE. Die beiden Stromriesen hatten keine Antwort auf die Energiewende parat. Sie hatten sich zu sehr auf Atomstrom verlassen. Als die Politik die Energiewende beschloss, hin zu mehr alternativen Energien, ging den Konzernen über Nacht das Geschäftsmodell verloren. An der Börse spiegelte sich da in herben Kursverlusten wider. In den vergangenen fünf Jahren hätten Eon und RWE fast hundert Milliarden Euro an Börsenwert verbrannt, so Tüngler.

Fast schon ein Dauergast auf der „Watchlist“ ist die Commerzbank – sie ist bereits zum vierten Mal in Folge dabei. Im vergangenen Jahr lag die Bank noch auf Platz neun der größten Kapitalvernichter, diesmal ist es Platz 20, weil der Kurs 2012 nicht noch weiter gefallen ist. Zählt das schon als Aufwärtstrend? Wohl eher nicht. Zumal die „Chance“ groß ist, dass die Bank auch im kommenden Jahr auf der Liste steht. Bankchef Martin Blessing hat gerade erst angekündigt, dass er den Aktionären eine weitere Kapitalerhöhung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zumutet. Damit will er einen Teil der Staatshilfe zurückzahlen, die nötig war, um die Bank in der Finanzkrise zu stützen. Die Hauptversammlung muss noch zustimmen, der Aktienkurs hat jetzt schon gelitten. Zeitweise kostete ein Anteilsschein nur noch 1,20 Euro.

Mancher schafft den Turnaround
Analysten brachten wenig Verständnis für die geplante Kapitalerhöhung auf. „Wirklich nachvollziehbar ist für uns die Kapitalerhöhung nicht“, schrieb Ingo Frommen von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wir verstehen den Zeitpunkt dieser Transaktion nicht“, sagte Philipp Häßler von Equinet und stuft die Aktie auf „Verkaufen“ von „Kaufen“ herunter. Sein Kursziel: ein Euro. „Aus unserer Sicht war die Commerzbank kurzfristig nicht unter Druck. Wir verstehen nicht, warum sie eine große Kapitalerhöhung ankündigt, wenn die Aktie nahe dem Allzeittief notiert.“ Auch die Anlegerschützer schimpfen: „Wir sehen die Commerzbank und ihre geplante Kapitalerhöhung mit großer Besorgnis. Die Bank verwässert das Kapital ihrer Aktionäre in einer Weise, wie wir es in Deutschland noch nie erlebt haben“, sagte Nieding bei der Vorstellung der DSW-Watchlist. „Herr Blessing stellt auf jeder Hauptversammlung tolle Ziele vor, die dann auf der nächsten wieder kassiert werden. Geschäftsfelder, die gestern noch als Ertragsbringer dienen sollten, werden morgen verkauft.“ Es fehle eine klare Strategie.

Einen Makel hat die Liste der Anlegerschützer jedoch: Sie brandmarkt diejenigen, bei denen der Schaden schon entstanden ist – als Frühwarnsystem, bevor es zu spät ist, taugt sie nur bedingt. Zumal in der Vergangenheit einzelne Aktien, die zu den Kapitalvernichtern zählten, den Turnaround schafften. Auf der Liste im vergangenen Jahr standen etwa Tui oder Heidelberger Druck – beide Aktien legten in den letzten zwölf Monaten um 50 Prozent zu. „Wenn eine Gesellschaft auf der Liste auftaucht, ist das ein Warnsignal. Es muss aber nicht unbedingt ein Verkaufssignal sein“, sagt Tüngler. Manchmal könne es sogar das Gegenteil sein, vorausgesetzt das Geschäftsmodell funktioniert. Auf die Frage, welchen Firmen auf der aktuellen Liste der Turnaround gelingen könnte, muss Tüngler lange überlegen. „Wir haben uns die Liste lange angeschaut und uns gefragt: Wie sollen die aus dem Keller jemals wieder rauskommen.“ Am Ende lässt er sich doch hinreißen, einen Kandidaten zu nennen: Wacker Chemie. Sein Kollege Nieding tippt auf Eon und Metro.

Quelle: Handelsblatt Online unter http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/anlegerschuetzer-warnen-das-sind-die-groessten-kapitalvernichter/7986468.html

DSW 2013

Oliver Krautscheid: Warnung vor zu starker Derivate- Regulierung

Bezüglich eines von der Bundesregierung vorgelegten Finanzmarktregulierungsgesetz haben Börsen und Banken, in einer Anhörung des Finanzausschusses Änderungen des Entwurfes verlangt, um unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken zu vermeiden.

Das EMIR Ausführungsgesetz bezieht sich auf die unmittelbar geltende EU- Verordnung zur Finanzmarkregulierung. Die EU Verordnung sieht vor, dass bestimmte Derivategeschäfte künftig nicht mehr außerhalb von der Börse direkt zwischen den Geschäftspartnern abgewickelt werden dürfen (over the counter). Vorgesehen für diese Derivategeschäfte ist vielmehr, dass sie über zentrale Clearing Stellen geleitet und in Transaktionsregistern dokumentiert werden.

Die Finanzaufsicht erhofft sich dadurch einen besseren Überblick über die Marktaktivitäten und Risikooptionen zu erlangen. Hintergrund dessen, ist das die Finanzkrise bereits deutlich gezeigt hat, dass Intransparente, frei abgeschlossene Derivategeschäfte zu großem Misstrauen gegenüber Banken geführt und die Funktionsfähigkeit der Märkte beeinträchtigt hätte

Das DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) äußerte Bedenken hinsichtlich des Vorhabens. Durch die Bildung größerer Einheiten am Derivate-Markt würden neue Risiken geschaffen werden. Dabei weist das DIW darauf hin, dass es eine Katastrophe wäre, wenn eine zentrale Clearing Stelle eines Tages ausfalle würde. Daher empfehlen sie vielmehr zu prüfen, ob die Nutzung von OTC- Derivaten nicht insgesamt eingeschränkt werden sollen. Weiter ist Transparenz die Vorstufe der Regulierung. Daran sollte gearbeitet werden.